Alles über Bullies...

"Wer immer einen Bull Terrier erstmals sieht, muß alte Vorstellungen über die Schönheit von Hunden aufgeben, sich auf die Anatomie des weissen Kavaliers umstellen. Schliesst man nähere Bekanntschaft mit diesen Hunden, schmelzen die ersten Vorbehalte wie Schnee in der strahlenden Sonne. Eine Stunde Zusammensein mit einem Bull Terrier vermittelt so viel Charme, Kraft, Liebenswürdigkeit und unerschöpfliches Vertrauen zum Menschen, daß man diesen Hunden einfach nicht mehr widerstehen kann".

- aus "Wuff-Magazin 09.1997 -





Wer eignet sich überhaupt für einen Bulli?
"Der Bulli ist mit Sicherheit kein Hund für Jedermann (aber welcher Hund ist das schon?).
Man sollte als Bull Terrier-Besitzer einen ausgeglichenen, festen Charakter haben, um seinen Hund in der Erziehung die nötige Konsequenz entgegenzubringen.
Weiters sollte man nicht zu sensibel sein, denn wie bei kaum einer anderen Rasse wird man von netten Mitmenschen oft ziemlich rüde angesprochen, oft sogar beschimpft. Auch die Hunde werden mit allen möglichen Namen bedacht.
Fragen wie "stimmt es, dass er beim Beissen die Kiefer nicht mehr aufbringt?", "wie hoch ist seine Beisskraft?" oder "wie kann man sich nur so einen hässlichen Hund kaufen" sind an der Tagesordnung und könnten den stolzen Junghundebesitzer doch sehr frustrieren. Andererseits sind gerade aufgrund dieser negativen Kommentare die Freunde dieser Rasse wahrscheinlich so eine Art verschworene Gemeinschaft und halten fest zusammen".

- aus "Wuff-Magazin 09.1997 -





Freud und Leid eines Bully Besitzers

Kennenlernen:  Ein Häufchen Elend von sieben Monaten.
Im Freilauf des Salzburger Tierheimes bin ich meinem Bully das erste Mal begegnet. Und es war Liebe auf den ersten Blick. Als er ans Gitter kam, sich hinsetzte und sich an meine durchgesteckten Finger drückte, war's um mich geschehen. Selbstbewußt irgendwie und sehr zutraulich; liebebedürftig... Nach einem ausgiebigen Gespräch mit der Tierheimleitung konnte ich ihn am nächsten Tag mitnehmen, nicht so recht ahnend, was ich mir damit eigentlich angetan hatte.

Überraschungen:   Was seine Vorbesitzer, Chinesen in Österreich die angeblich in ihre Heimat zurück wollten, wohl mit diesem Hund getan - oder besser gesagt, nicht getan hatten?
Weder stubenrein, noch irgendwie erzogen! Spieltrieb eines Welpen von vier Monaten. Beim ersten Regenguss stellte er sich unter und weigerte sich standhaft auch nur noch einen Meter weiterzugehen.
Eine gewisse Wasserscheu ist ihm bis heute geblieben. Bis zur Mitte des Bauches ins Wasser... Ein Nichtschwimmerbecken für meine Töle!
Es ist aber auch wirklich eine Rasse die nicht gut schwimmt. Eines Tages sprang er dem Hund meiner Freundin in einem Anflug von Verwegenheit hinterher - Blicke des Entsetzens, das Hinterteil absinkend, schaffte er gerade noch die zwei Meter bis zum Ufer... Nie, nie wieder!
In der Wohnung alles angefressen was gerade mal so
greifbar war. Telefonbücher, Zimmerbambus, Videokassetten, auch ein Fernglas wurde fein säuberlich in zwei Teile zerlegt.
Oh was gab's da Haue...
Ja, und so etwas wollen Einige von Euch sicher nicht gerne hören. Aber ich bin der Meinung, dass:
1. antiautoritäre Erziehung bei einem Bully nicht klappt.
2. die Hand die den Hund streichelt, sollte ihn auch strafen.
Und das klappt bestens ohne daß er handscheu wird. Der Hund weiß sehr wohl warum es gerade jetzt "hagelt".
Es ist aber das Wichtigste, dass nach der Strafe wieder das Lob folgt. Und dass die Strafe sofort kommt. Und der Hund nicht grundlos bestraft wird. Aber dann nützt es was und der Hund verliert sein Vertrauen auch nicht.

Kontakt zu anderen Hunden:  War nie auch nur das kleinste Problem. Eine gute Sozialisierung ist für jeden Hund ein Muß. Zahlreiche Besuche auf Hundeplätzen, jede Möglichkeit nutzend um spielend zu lernen, daß "Hund nicht schmeckt".
Und was gibt's Schöneres als Hunde spielen zu sehen, - zu sehen, dass sich wenigstens Tiere gut verstehen.
Heute ist mein Bully soweit, dass ich immer auf die anderen Hunde achten muß, die öfter mal Aggressionen zeigen.

Leistungsfähigkeit:  Ein Bully, nicht zu schwer und zu gut gefüttert, ist ein explosives Paket an Temperament und Kraft. 28 Kilo geballte Power, in der Sprunggrube locker die größte Weite, (vorausgesetzt man ist dazu auch aufgelegt), ist kein Problem.
Auch wenn er mal aus Übereifer von einem Hindernis fällt oder sich beim Sprung über Hindernisse überschlägt und mit dem Rücken auf den Boden knallt.
Kein Langstreckenläufer aus Passion (dazu fehlt's an der Geduld), sondern lieber explosives Losknallen...

Schutztrieb:  Als wirklich bester Freund des Menschen liegt es im Naturell eines Bully vorauszuahnen wenn es mal brenzlig wird. In der Nacht sehr aufmerksam und trotzdem, (wie es sich bei Nachtübungen gezeigt hat) jederzeit in der Lage, ernsthafte Angriffe von Rüpeleien zu unterscheiden.
Schutzarbeit macht natürlich sehr viel Spass, steigert aber auch seine Aggressivität nicht. Er ist anschließend nur viel aufmerksamer.
Es sollte jedoch nur deshalb trainiert werden, um im Notfall den Befehl "Aus!" zu kennen und gezielt auf den Arm zu beißen.
Er ist höchst aufmerksam, wenn Kleinkinder plötzlich von
Erwachsenen hochgenommen werden. Trotz seines kurzen Felles steht da die "Bürste" wie sonst fast nie.

Kinder:  Immer und überall der geliebte Mittelpunkt jeder Kinderschar. Nicht umsonst sagt man den Bullies nach, die kinderfreundlichste Hundrasse zu sein. Genießt es richtig, gibt Pfote. Lässt sich in Nase, Augen und Ohren bohren.
Ein Nachbarmädchen von etwa zwei Jahren biss ihn mal sogar in die Leftzen... "Was soll's, tut mir ja garnicht weh!!!"

Ernährung:  Jeder Bully ist ein Genießer und wahrer Vielfrass. Futtern ohne Unterlaß. Mein Bully frisst so ziemlich alles was freßbar ist. Gurken, Tomaten, Pepperoni, Salat, alle Arten Obst. Besonders Melonen...
Deshalb kämpft jeder Bully auch mehr mit seiner Taille als mit allem anderen. Ein "Kampfhund" eben...
Und dann rauf auf die Couch und kuscheln!

Verkehr:   Kein besonders verkehrssicherer Hund! Es geht immer nach dem Motto: "Hoppla, jetzt komm' ich!". Zu selbstbewußt (oder zu doof ???) um aufzupassen.
In einem Versuch, etwa drei Meter neben einem mit
Höchstgeschwindigkeit vorbeifahrenden Güterzug sitzend, zeigte er nur neugieriges Erstaunen.

Mitmenschen:  Kein Hund für Menschen mit fehlendem Selbstbewusstsein. Man lernt aber relativ schnell mit seinen Mitmenschen umzugehen.
Ausdrücke wie: "Der sieht ja aus wie ne Sau", "Mensch ist die Töle hässlich, "Schau mal ein Schaf", oder, "Mami schau mal - ein Pferdchen" sind noch von der harmlosen Sorte. Böse wird es dann, wenn ein Spruch dieser Art kommt: "Alle, die solche Hunde haben, gehören eingesperrt!"...
Wenn einmal wohlmeinende Eltern Ihre Kinder hochreissen stört mich das eigentlich nicht mehr - tun sie ja bei anderen Hunden auch.
Man lernt auch sehr schnell entsprechende Antworten zu geben.
"Hast Du schon mal in den Spiegel gekuckt", oder "Das ist ein tibetanisches Kampfschaf, Du kennst das nicht?!".
Aber der Grossteil der Passanten ist normal in ihrem Verhalten (oder ich merke das nicht mehr...) Sie sind oft sehr interessiert, fragen etwas durch die Blume: "Ist das nicht ein...".
Ich nutze solche Ansätze gerne zu einem ausführlichen Gespräch, kläre die Leute über Vergangenheit, Tradition, Charakter dieser Hunde auf und versuche mit Vorurteilen aufzuräumen.
Dass ich dabei immer auf meine Internet-Homepage verweise und meine Karte dazu gebe ist auch klar.
Werbung in eigener Sache, bzw. der guten Sache für diese tollen Hunde ist Pflicht.

- Günther Kulzer © 1998 -